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Volkshaus

1928–1930 erbaut
Architekt: Emil Lange
Bauherr: Volkshaus Weißwasser O/L GmbH
heute: Volkshaus Weißwasser/O.L.
Görlitzer Straße 8
02943 Weißwasser/Oberlausitz

Weißwassers große Bedeutung für die Glasindustrie brachte einen starken Zuzug an Arbeitskräften mit sich, welche sich in Gewerkschaften organisierten. Eine 1925 durch diese Gewerkschaften initiierte GmbH hegte den Wunsch nach einem festen Ort für politische Treffen und kulturelle Veranstaltungen. Da auch Büroräume für die Leitung der Bezirkszahlstelle und den ortsansässigen Gewerkschaftsbund fehlten, wurde beschlossen, hierfür einen eigenen Bau zu errichten. So entstand ab 1928 das Volkshaus. Die Finanzierung erfolgte über die Monatsbeiträge der nahezu 4.000 Mitglieder. Der zunächst geringer dimensionierte Bau erwies sich bald als zu klein, sodass in den folgenden zwei Jahren ein Anbau erfolgte, welcher Veranstaltungssäle, Büros und Sportstätten umfasste. Der 1930 fertiggestellte Bau der Moderne beinhaltete neben seiner Funktion als Vereinshaus auch Wohnungen und bat Platz für Karneval- oder Musikveranstaltungen. 

Der Architekt des Baus, Emil Lange, war kein Unbekannter. Durch die wirtschaftliche Stärke der „Glasstadt“ Weißwasser als damals größter Glasproduzent wurden bekannte Größen des 1919 in Weimar neu gegründeten Bauhauses angezogen. Nachdem Wilhelm Wagenfeld als Gestaltungsdirektor für die Vereinigten Lausitzer Glaswerke (VLG) gewonnen werden konnte, folgten bald auch weitere Bauhaus-Mitglieder wie Ernst Neufert oder Emil Lange in die Region. Lange arbeitete während seiner Zeit am Bauhaus eng mit Gropius zusammen und war unter anderem für die Werkslehre an der Schule zuständig. Nach seinem Weggang leitete Lange den „Betriebsverband Bauhütten Schlesien“ sowie die „Bauhütte Breslau“. 

Durch seine Gestaltung aus dem Umfeld des Bauhauses und Bedeutung für die Arbeiterkultur Weißwassers Anfang des 20. Jahrhunderts stellt das Volkshaus ein wichtiges Zeugnis der Stadtgeschichte dar.

Im Mai 2004 musste das Volkshaus aufgrund baulicher Mängel geräumt werden und steht seitdem ungenutzt. Im Jahr 2013 wurde der Verein „DENK MAL MIT LEBEN, Förderverein Volkshaus Weißwasser e.V.“ gegründet, welcher sich für den Erhalt und Wiederbetrieb des Kulturhauses einsetzt.