Glasmacherbrunnen vor dem Bahnhof Weißwasser

Glasmacherbrunnen

1922 (2020 wiedererrichtet) erbaut
Architekt: Bildhauer Willy Felgerträger (1922), Bildhauer Volker Beier (2002)
Bauherr: Militärverein auf Initiative von Joseph Schweig
heute: Glasmacherbrunnen
Bahnhofsvorplatz
02943 Weißwasser

Ursprünglich wurde der Glasmacherbrunnen auf Initiative des Unternehmers Joseph Schweig „Zur Erinnerung an Not und Heldenmut 1914-1918 dem Andenken unserer im Weltkriege Gefallenen (zumeist Glasmacher) in Dankbarkeit gewidmet“. Schweig war ein bekannter Glasindustrieller und Politiker Weißwassers, der u. a. mitverantwortlich für die Entwicklung der Glasindustrie vor Ort und dessen weltweiter Bedeutung war. Schweig zog 1881 mit seiner Familie nach Weißwasser, arbeitete anfangs in den Braunkohlenwerken und gründete 1889 die Oberlausitzer Glaswerke J. Schweig & Co., die er bis zu einer Aktiengesellschaft unter Führung der AEG brachte. Er unterstütze u. a. auch den Bau des Elektrizitätswerkes und des Rathauses in Weißwasser, nahm Einfluss auf die Errichtung eines neuen Friedhofes und war für die Verleihung der Stadtrechte entscheidend.

Der ursprüngliche Glasmacherbrunnen bestand aus Muschelkalk und Kunstmuschelkalk (1922), der 2002 wiedererrichtete besteht aus Sandstein und in Bronze gegossene und behandelte Bestandteile. Es stellt in Erinnerung an die Gefallenen des Ersten Weltkrieges ein Kriegerdenkmal dar, zeigt jedoch friedliche Arbeit. Man sieht Glasmacher bei der Arbeit, findet hingegen keine Kanonen, Kriegsszenen, Gewehre, Adler oder analoge Elemente abgebildet. Außerhalb Weißwassers ist kein derartiges, „friedliches Kriegerdenkmal“ bekannt. Hintergrund ist ein noch während des Ersten Weltkrieges erbeutetes Geschütz, das der Weißwasseraner Militärverein für den Ruhm des deutschen Heeres auf dem Bahnhofsvorplatz aufstellte. Diese Kanone wurde nach Ende des Krieges, in dem über 400 Opfer zu beklagen waren, demoliert und entsorgt. Ein neues, zeitgemäßes Denkmal sollte den Gefallenen gedenken und gleichzeitig an die Tradition des Glashandwerkes der Stadt erinnern. Die Form eines Brunnens und der Standort der alten Kanone am Bahnhof, der gleichzeitig der Ort des Ursprungs der Glasindustrie (Gelsdorfhütte) markiert, fielen hier in idealer Weise zusammen.

1978 wurde der Brunnen im Rahmen der Straßenumgestaltung abgerissen. Zur 450-Jahr Feier der Stadt im Jahr 2002 wurde er an selber Stelle wiedererrichtet.