Gelsdorfhütte

1872–1919 erbaut
Architekt: unbekannt
Bauherr: Familie Gelsdorf
heute: Denkmal Gelsdorfhütte
Forster Str.
02943 Weißwasser

Die heutige Ruine der sogenannten „Gelsdorfhütte“ ist die Wiege der Glasproduktion in Weißwasser. Sie ist als Zentrum der Stadtentwicklung von hoher industrie- und regionalgeschichtlicher Bedeutung und steht unter Denkmalschutz. Die Hütte wurde 1872 von den Kaufleuten Zwahr, Neubauer und Schulze gegründet. Zunächst bestand sie aus dem Hüttengebäude und einem Flachbau. Um 1880 folgten der Schornstein und die moderne Gaserzeugungsanlage. Mit dem Anbau des Lagergebäudes 1919 erreichte die Gelsdorfhütte ihren endgültigen Zustand. Am ersten Glasschmelzofen der Stadt arbeiteten bis zu 36 Glasmacher an 8 Häfen. Nachdem die ersten Besitzer Konkurs anmelden mussten, übernahm Wilhelm Gelsdorf – Glasmacher aus dem Glatzer Land – die Hütte und führte sie bis zu seinem Tod 1908. Danach übernimmt sein Sohn die Leitung. Die „Glaswerke Gelsdorf“ produzierten Gebrauchsgläser hoher Qualität,  etwa Lampenschirme und geschliffenes Hohlglas, wobei der für die Produktion wichtigste Rohstoff Sand aus dem  Muskauer Faltenbogen stammte. 1948 wird die Glashütte – auch „Älteste“ genannt – Teil der „Oberlausitzer Glaswerke Weißwasser“. Zwischen Anfang der 1950er Jahre und 1970 fand die Ausbildung der Glasmacher hier statt.  Die große Fassadenfläche besteht neben roten Ziegeln aus den regionaltypischen gelben Ziegeln, zu dessen Herstellung der heimische Ton verwendet wurde. Baulich interessant sind zudem die Essen der Öfen an der Giebelseite. Sie wurden wie die Gesimse und Zahnfriesen in das Mauerwerk integriert.

In Nachbarschaft zur Ruine der Gelsdorfhütte befindet sich die Gelsdorf-Villa, die 1905 für Edmund Gelsdorf, Wilhelm Gelsdorfs Sohn, erbaut wurde. Nach dem Ende des 2. Weltkrieges wird die Familie enteignet und der Betrieb in Volkseigentum überführt. So auch die Villa Gelsdorf. Zu DDR-Zeiten wird die Villa verschieden genutzt, u. a. auch als Sammelstelle für Muttermilch. Nach der Wende wird sie mit Unterstützung des neu gegründeten Fördervereins Glasmuseum Weißwasser e.V. saniert und ab 1996 von der Stadt Weißwasser/O.L. als Museum genutzt.