Bernhard'sche Spinnerei in Chemnitz, © Punctum, Foto: Bertram Kober

Die Sinne schärfen für Sachsens Industriearchitektur

Wanderausstellung macht Halt in der Sächsischen Landesvertretung in Berlin.

2011 initiierte die Sächsische Landesstelle für Museumswesen gemeinsam mit dem Deutschen Werkbund Sachsen die Wander­ausstellung »Industriearchitektur in Sachsen: erhalten – erleben – erinnern«. Sie zeigt Bilder des renommierten Leipziger Fotografen Bertram Kober. Nachdem die Ausstellung bereits in Chemnitz, Crimmitschau, Dresden, Freiberg, Leipzig, Oelsnitz, Radeberg, Wurzen und Zittau gezeigt wurde, ist sie aktuell in der Sächsischen Landesvertretung in Berlin zu sehen. Pandemiebedingt konnte die Eröffnung nicht stattfinden. Daher lädt die Landesvertretung zur virtuellen Entdeckungsreise in Form eines Videos ein:

 

>>SACHSENS INDUSTRIEKULTUR ENTDECKEN<<

 

Mit der Ausstellung zur Industriearchitektur des Freistaates wird ein für die sächsische Geschichte prägendes Kapitel künstlerisch dokumentiert und mit erläuternden Texten, dreidimensionalen Objekten, historischen Fotografien und Filmen vielseitig beleuchtet. 80 großformatigen Fotografien von Bertram Kober stellen erfolgreiche Nachnutzungskonzepte vor, zeigen ungenutzte Möglichkeiten auf und erinnern an verlorene Schätze der Industriearchitektur und Kulturlandschaft Sachsens – denn auch und gerade in der Architektur spiegelt sich die vielfältige Industriegeschichte Sachsens wider.

Architekturfotografie spielt im umfangreichen Werk des mehrfach international ausgezeichneten Leipziger Künstlers seit Langem eine wichtige Rolle. Über seine Affinität zu Industriegebäuden spricht Bertram Kober in einem Interview mit dem Journalisten Thomas Bille1:

Mit geht es bei der Begegnung mit Objekten […] darum, die Attraktivität der Gebäude wahrzunehmen und hervorzuheben. Also den Wert der Gebäude zu erschließen […]“, erklärt Kober.

Wichtiges Anliegen des Fotografen ist es seit jeher, auf neue Nutzungen hinzuweisen und die Potentiale und Chancen des Erhalts von historischen Gebäuden für Mensch und Region aufzuzeigen. Kober möchte zudem, die Wahrnehmung von leerstehenden und ungenutzten Gebäuden verändern.

Ich will Gebäude mit ihren ästhetischen Qualitäten aufnehmen und ihnen auch zu einer Aufmerksamkeit verhelfen, die sie bisher nicht hatten. Ich will dem interessierten Publikum die Möglichkeit zur Wiederentdeckung oder Neuentdeckung geben.“, so der Fotograf.

Kobers Bilder zeigen den Wert dieser Industriearchitektur und fördern damit auch das Engagement für ihren Erhalt. Durch seine Bildsprache gewinnen auch zum Teil dringend erhaltungsbedürftigen Bauten neue Kraft und Würde.

Eine Form von Gerechtigkeit wollen wir diesen Gebäuden gegenüber walten lassen. Auch schwingt Melancholie mit. Ich bin auch ein melancholischer Typ. Und ich glaube, dass hier eine gewisse emotionale Intensität unerlässlich ist beim Fotografieren, damit die Bilder beim Betrachten etwas Emotionales vermitteln können, damit überhaupt ein Interesse geweckt wird. […] Ich lade dazu ein, die Dinge auch aus der Perspektive des Gebäudes selbst zu sehen. Es gehört zu meinem Beruf, zu meinen Bildern, etwas zu wollen – in diesem Fall das Schärfen der Sinne, um einen sinnvolleren Umgang mit den Gebäuden denkbar zu machen.

 

1 Das Schärfen der Sinne. Bertram Kober und seine Dokumentation sächsischer Industriearchitektur. In: Sachsens Industriearchitektur, Verlag der Kunst, Dresden 2015

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