Textilfabrik Seiffert und von Bößneck & Meyer

1927–1928 erbaut
Bauherr: Textilfabrikanten Seiffert sowie von Bößneck & Meyer
heute: Palla Otto-Schimmel-Straße
Otto-Schimmel-Straße 8
08371 Glauchau

Als damaliger Zusammenschluss der Textilfabriken von Ernst Seiffert (aus dem Jahr 1928) sowie von Bößneck & Meyer (aus dem Jahr 1927) entstand dieses eindrucksvolle und stadtbildprägende Gebäudeensemble. Prominent am Glauchauer Scherbergplatz und in Sichtachse vom Bahnhof gelegen, sollte der Bau "dem Fremden Reichtum, Größe und Bedeutung der heimischen Textilindustrie sinnfällig vor Augen" führen (Zitat aus der Glauchauer Zeitung vom 11.07.1928).

Nach dem Zweiten Weltkrieg wurden die Fabrikanten enteignet und die Unternehmen zu den VEB Palla - Textilwerken vereint. Die Palla war der größte Arbeitgeber der Region. Am Hauptsitz in der Otto-Schimmel-Straße wurde noch bis 1995 produziert.

Der unter Denkmalschutz stehende Gebäudekomplex im Reformstil mit neoklassizistischen und neobarocken Stileinflüssen und damit auch ein wichtiger Bestandteil der Glauchauer Geschichte befindet sich inzwischen im Eigentum der Stadt. Der Beginn einer Revitalisierung des Areals wurde in den Jahren 2007/2008 durch den Abriss der nicht nutzbaren Sheddachhallen im rückwärtigen Bereich eingeleitet. Das Scherberghaus, das Bößneck-Meyer-Haus, der Verbindungsbau sowie das Ernst-Seifert-Haus mit den stilvollen Fassaden aus Säulen und Ornamenten konnten bislang gesichert und erhalten werden. Diese 2- bis 3-geschossigen ehemaligen Verwaltungs- und Bürogebäude der Textilfabriken sind trotz der gut erhaltenen Bausubstanz heute jedoch noch weitestgehend ungenutzt.

Die Lagegunst entlang der wichtigen innerstädtischen Glauchauer Entwicklungsachse "Bahnhof-Markt/Schlösser" sowie die sehr gute regionale und überregionale Verkehrsanbindung tragen zur weiteren Attraktivität des Standortes bei. Für die Nachnutzung bzw. Revitalisierung des repräsentativen und identitätsstiftenden Gebäudekomplexes auf dem insgesamt 2,9 ha großen Areal bieten sich daher vielfältige Entwicklungsoptionen. Bereiche mit niederschwelligen Sanierungsgrad für Künstler und Kreativwirtschaft sind ebenso denkbar wie hochwertig sanierte Einheiten für Wohnen und Gewerbe sowie vieles mehr. Neue Grundrissgestaltungen für innovative Nutzungsmöglichkeiten lassen sich dabei im vorhandenen Bestand gut realisieren. Auf der großzügigen Freifläche neue Ergänzungsbauten schaffen oder ein weiterer Rückbau – beispielsweise des Verbindungsbaus zwischen dem Ernst-Seifert-Haus und dem Bößneck-Meyer-Haus, um Folgenutzungen in voneinander getrennten Gebäudeeinheiten umzusetzen - können in ein stimmiges Gesamtkonzept durchaus einbezogen werden.

Auf Grund der Gesamtgröße der Anlage sowie dem damit verbundenen Finanzierungsbedarf ist die Umsetzung entsprechender Konzepte allein aus kommunalen Mitteln derzeit nicht darstellbar. Ein zukünftiger (Teil-)Verkauf unter Vorlage eines ausgereiften, den städtischen Entwicklungsabsichten entsprechenden Nutzungskonzeptes mit Umsetzungserklärung bzw. Realisierungsvereinbarung wird daher nicht ausgeschlossen.