© PUNCTUM / Bertram Kober

Nowa Strumpffabriken

1927/28 erbaut
Architekt: Alwin Weiß, Berlin
Bauherr: Nowa Strumpffabrik AG, Chemnitz
heute: TWV Tröger Metallveredlung GmbH
Dresdner Straße 20
09337 Bernsdorf

Die im Stile der klassischen Moderne errichtete Strumpffabrik spiegelt die Anfang des 20. Jahrhunderts prosperierende sächsische Wirkindustrie und die Offenheit vieler Unternehmer für moderne Architekturauffassungen wider. Sie ist außerdem ein Beispiel für die Nutzung historischer Industriebauten in der Gegenwart.

Die Nowa Strumpffabrik AG war eine Tochter der Norddeutschen Wollkämmerei & Kammgarnspinnerei  AG (Nordwolle). Der in Delmenhorst ansässige Konzern galt als eines der weltgrößten Textilunternehmen. Dessen Konkurs 1929 war dann auch Auslöser für die deutsche Bankenkrise 1929/30. Die Bernsdorfer Fabrik überstand den Konkurs des Mutterunternehmens unbeschadet, stellte zunächst in träuhänderischer Verwaltung weiter Damenstrümpfe her und ging dann 1941 in den Besitz des früheren Aktionärs Horst Pfotenhauer über. Nach dem Freitod des 62jährigen Unternehmers aufgrund politischer Verfolgung und Mißhandlung im Jahr 1948 wurde das Unternehmen verstaatlicht. Bis 1992 wurden hier Damenstrümpfe hergestellt, ab 1986 auch Feinstrumpfhosen.

Nach Stillegung der Produktion erwarb der Unternehmer Gotthard Tröger im Jahr 1994 die Immobilie. Die Fabrik wurde denkmalgerecht saniert und erhielt einige Erweiterungsbauten. Hervorhebenswert sind die zwei aus der Bauzeit stammenden lebensgroßen Plastiken aus Rochlitzer Porphyr im Torbereich, die die Gewinnung der Textilfaserrohstoffe allegorisieren.