Maschinenhaus
© PUNCTUM / Bertram Kober

Kraftwerk Hirschfelde

1909–1911 (Werk I), 1918–1922 (Werk II), 1918–1937 (Maschinenhaus erbaut
Architekt: Werner Issel (Werk I) sowie die Bauabteilungen der ELG und ASW
Bauherr: Elektrizitäts-Lieferungsgesellschaft (ELG) – Elektrizitätswerke Oberlausitz, nach 1923 Aktiengesellschaft Sächsische Werke (ASW)
heute: Technisches Denkmal Kraftwerk Hirschfelde
Straße zum Kraftwerk 3c
02788 Zittau, OT Hirschfelde

Das Kraftwerk Hirschfelde markiert den Übergang zur Braunkohlenverstromung und Elektrizitätsgroßwirtschaft in Sachsen. Als erstes Großkraftwerk Sachsens ging es 1911 ans Netz und belieferte die Oberlausitz sowie das angrenzende Böhmen und Schlesien mit Elektrizität.

Nach dem der Freistaat Sachsen die landesweite Stromversorgung in die Hand genommen und hierfür die landeseigene Aktiengesellschaft Sächsische Werke (ASW) hatte, wurde das Kraftwerk Hirschfelde Teil der in den 1920er Jahren rasch ausgebauten Landesversorgung. Das von der ASW errichtete Hochvoltnetz zur landesweiten Elektrizitätsversorgung spannte sich zwischen den Braunkohlenkraftwerken Hirschfelde im Osten und Böhlen im Westen.

Das Werk I wurde von Walter Issel entworfen, einem der bedeutenden Industriearchitekten des 20. Jahrhunderts, der sich zunächst auf Kraftwerke und später auch Chemiefabriken spezialisiert hatte. Beispielhaft genannt sind in Sachsen die Elbzentrale Pirna (1911/12) oder die Großkraftwerke Golpa-Zschornewitz (1915–1917) und Kligenberg in Berlin (1925–1927). Issel begann seine Laufbahn 1906 unter dem Werkbundmitgleid und Pionier des modernen Industriebaus Peter Behrens in der Bauabteilung der AEG. 1915 gründete er mit Walter Klingenberg, Bruder des führenden und einflussreichen Kraftwerkingenieurs der AEG Walter Klingenberg, ein gemeinsames Büro in Berlin, das er später allein weiterführte.

Das Kraftwerk Hirschfelde steht in der Gestaltungstradition der von Peter Behrens entworfenen AEG-Bauten. Das 155 Meter lange Maschinenhaus ist eine monumentale Halle, an die sich als Kopfbau das viergeschossige Verwaltungsgebäude anschließt.

Nach Kraftwerkserweiterungen wurde die Leistung von 3,2 Megawatt (1911) auf 85 Megawatt (1925) und 156 Megawatt (1937) gesteigert. Nach Fertigstellung der Vorschaltanlage zwischen 1956 und 1958 hatte das nun baulich vollendete Kraftwerkeine Leistung von 330 Megawatt.

 

1992 wurde das Kraftwerk abgeschaltet. Bis auf das Maschinenhaus und das Verwaltungsgebäude wurden alle Gebäude abgerissen. Ein Museum erinnerte seitdem an die Kraftwerksgeschichte. Trotz großer Anstrengungen und hohem persönlichem Engagement des Kraftwerkervereins und der Stiftung Kraftwerk Hirschfelde ließ sich der Verfall der noch bestehenden Bausubstanz nicht aufhalten. Die fortschreitenden Nutzungseinschränkungen sowie die weiter steigenden Aufwendungen zum Erhalt des Museums führten zur Schließung des Technischen Denkmals Ende 2017. Der Sammlungsbestand wird aufgelöst und die Exponate werden an Museen und Vereine abgegeben. Ziel dieser Auslagerungen ist es, den dauerhaften Erhalt der Exponate und deren Präsentation für Besucher an anderen Standorten zu ermöglichen. Virtuell erlebbar gemacht wurde das ehemalige Kraftwerk auf der Website der Stiftung. Deren Arbeit wird an anderem Ort weitergeführt.