Weisbachsches Haus
Stadt Plauen, Foto: Markus Löffler

Kattun-Manufaktur

1776–1778; erster Erweiterungsbau (östlicher Resalit) 1779/80; Erweiterung für mechanische Spinnerei 1810 Nach Kriegsende erfolgten Teilsanierungen. Der zentrale Teil des Gebäudekomplexes (östlicher Resalit) wurde 1999 saniert. erbaut
Bauherr: Johann August Neumeister
heute: Weisbachsches Haus
Bleichstraße 3
08523 Plauen

Die im Stil eines fränkischen Rokokopalais errichtete Manufaktur markiert den Übergang zum Fabrikzeitalter in Sachsen. Trotz zahlreicher Nutzungsänderungen blieb der ursprüngliche Charakter des Manufakturgebäudes bis heute weitgehend erhalten.

Eines der bedeutendsten sächsischen Textilunternehmen der Frühindustrialisierung hatte hier seinen Sitz. Auf Werben Plauener Baumwollwarenhändler siedelte sich 1754 der in Augsburg ausgebildete Kattundrucker Johann August Neumeister in Plauen an und gründete hier die erste Kattundruckerei Sachsens. Mit Erweiterung des Geschäfts errichtete Neumeister ab 1776 ein neues Fabrikationsgebäude: das heutige Weisbach‘sche Haus. Hinter seiner Rokokofassade beherbergte es Produktions-, Trocken-, Lager- und Verwaltungsbereiche sowie Wohnungen für die Arbeiter.

Ab 1783 wurde die Fabrik von einer Gesellschaft Plauener Baumwollwarenhändler als Kattundruck-Manufaktur Facilides & Co. weiterbetrieben. Neumeister war Mitgesellschafter und leitete das Unternehmen. 1794 verkaufte Neumeister seine Anteile und verließ Plauen. Sein Nachfolger als Direktor wurde der junge Kaufmann Ernst Wilhelm Conrad Gössel.

Gössel erweiterte die Fabrik 1808 um eine wasserkraftbetriebene Spinnerei. 1811 arbeiten hier 1.620 Spinner, Weber und Kattundrucker. 1814 erwarb Gössel alle Anteile an der Fabrik und wurde zum Alleininhaber. Der erfolgreiche Unternehmer machte sich auch als Mäzen in Plauen einen Namen.

Nachfolgeprobleme und wirtschaftliche Schwierigkeiten führten zur Auflösung des Unternehmens im Jahr 1830. 1834 pachtete dann Carl Wilhelm Weisbach Teile der Spinnerei, bevor er 1850 Eigentümer des gesamten Ensembles wurde. Seit dem wird das Gebäude als Weisbachsches Haus bezeichnet.

Auf die Nutzung als Spinnerei folgten Mischnutzungen durch Kleingewerbe und zu Wohnzwecken. Seit Ende der 1990er Jahre engagieren sich die Familie Weisbach und Plauener Bürger für die Wiederbelebung. Im Rahmen der Revitalisierung der Elsteraue kommt dem Weisbachschen Haus aufgrund seiner architektonischen und historischen Bedeutung eine zentrale Rolle zu.