Kontorhaus der Flachsspinnerei
© PUNCTUM / Bertram Kober

Flachsspinnerei Hirschfelde

1877-1882, 1921 erbaut
Architekt: unbekannt
Bauherr: Heinrich Müller, Fa. Heinrich Carl Müller
heute: Internationaler Bund - Einrichtung Hirschfelde
Flachsspinnereistraße 5
02788 Zittau, OT Hirschfelde

Die Fabrik steht für die Flachsverarbeitung, die in der Region ihr Zentrum hatte. Das 1845 gegründete Unternehmen war die erste mechanische Flachsgarnspinnerei Sachsens. Errichtet wurde die Fabrik an der Neiße neben einer Mahlmühle aus dem 15. Jahrhundert. Sie entwickelte sich zu einem der bedeutendsten Textilunternehmen in der Oberlausitz. 

Nach einem Brand wurde der Erstbau durch das heute noch teilweise erhaltene Ensemble im damals vorherrschenden Stil des Historismus ersetzt. Die Spinnerei wurde 1877–1880 errichtet, das Kontorgebäude 1880–1882. Mit seinen Pilastern, Türmchen und Zinnen gibt es gestalterische Parallelen zur Tudorgotik der englischen Schlossarchitektur.

Bis zu seiner Verstaatlichung im Jahr 1946 war das Unternehmen in Familienbesitz. 1974 wurde die Flachsverarbeitung eingestellt und Kunstseide verarbeitet, 1993 bis 2003 wieder Flachs verarbeitet. Nach Stilllegung des Unternehmens im Jahr 2005 wurden große Teile der Fabrik abgerissen. Erhalten blieben das Fabriktor, Nebengebäude sowie das dreiflügelige Kontorgebäude. Bereits 1952 war hier eine Berufsschule eingezogen.

1991 übernahm der Internationale Bund das Gebäude als Bildungsstätte und sanierte es mit Unterstützung der Deutschen Stiftung Denkmalschutz. Das Kontorhaus gilt als einer der schönsten historistischen Industriebauten Sachsens.