Spinnmühle kurz vor ihrem Abriss
© Punctum / Bertram Kober

Baumwollspinnerei Gebrüder Meinert

1812–1814 erbaut
Architekt: Johann Traugott Lohse
Bauherr: Christian August Meinert und Johann Carl Meinert
heute: 2016 abgerissen
Untere Hauptstraße 95
09385 Lugau

Die Spinnerei zählte zu den letzten frühen Zeugnissen des sächsischen Fabrikbaus. Das für die Brüder Meinert als Baumwollspinnerei errichtete Gebäude war der letzte der eindrucksvollen Fabrikbauten Johann Traugott Lohses, das in seiner vollen Kubatur erhalten war.

Johann Traugott Lohse (1760–1836), ein Maurermeister aus der Umgebung von Chemnitz, hat neben zahlreichen Kirchen und weiteren Gebäuden die ersten eigentlichen Fabrikgebäude in Sachsen geplant und ausgeführt. Als erster sächsischer Industriearchitekt war Lohse zugleich einer der wichtigsten Architekten des Klassizismus in Sachsen.

Sachsen war vor 200 Jahren neben England Vorreiter der Industrialisierung. Da es für Industriebauten noch keine Bautradition gab, hat Lohse völlig neue Bautypen geschaffen, wobei er sich am Schlossbau orientierte. Für die durch Säulen nobilitierten Fabrikbauten wurde der Begriff des „Palasttyps" geprägt. Die von Lohse für seine Fabrikbauten entwickelte typische Kombination von Dreiviertelsäulen und Mansardendach war einzig nur noch an der Spinnmühle in Lugau erhalten. Damit besaß Lugau mit dem letzten vollständig erhaltenen Exemplar des "Palasttyps" ein Baudenkmal, das gleichermaßen für die Geschichte der Industrialisierung, als auch der Bauepoche des Klassizismus Bedeutung für ganz Europa zukam.