© PUNCTUM / Bertram Kober

Anker-Teigwaren-Fabrik Richter & Loeser

1899/1900, 1934/35, 1937–1940 erbaut
Architekt: unbekannt (Erstbau), Walter Vetter und Hans Scharoun (Um- und Erweiterungsbauten)
Bauherr: Julius Richter, Fa. Loeser & Richter; Wilhelm Schminke, Fritz Schminke
heute: Anker-Teigwaren-Fabrik
Äußere Bautzener Straße 32
02708 Löbau

Durch ihren unmittelbaren Bezug zum benachbarten Haus Schminke sowie den von Hans Scharoun begonnenen Umbau gilt die Fabrik als ein bedeutendes Industriedenkmal der Moderne. Die 1874 gegründete Teigwarenfabrik Loeser & Co., seit 1875 Loeser & Richter, errichtete den Erstbau 1899/1900.

Einen deutlichen Aufschwung nahm das Unternehmen unter der neuen Eigentümerfamilie Schminke. Der Glauchauer Textilfabrikant Wilhelm Schminke hatte das Unternehmen 1904 erworben. Konsequent bauten er und nach seinem Tod 1920 sein Sohn Fritz die bereits 1881 eingeführte Schutzmarke „Anker“ zu einer überregional und international bekannten Marke aus. Mit seinem innovativen und erfolgreichen Marketing sowie einem modernen Maschinenpark zählte das Unternehmen zu den bekannten und erfolgreichen Teigwarenherstellern in Deutschland.

Bereits zwischen 1910 und 1916 wurde die Fabrik um ein Verwaltungs- und Fabrikgebäude aus gelben Klinkern erweitert. Nach dem Bau seines Wohnhauses – dem Haus Schminke – beauftragte der Firmeninhaber den Architekten Hans Scharoun auch mit der Planung für den weiteren Um- und Ausbau der benachbarten Fabrik. Die Umgestaltung der Fabrikfassade sowie neue Sozialräume und der Treppenturm stammen von Scharoun. Das Kesselhaus von 1929 hat der Löbauer Bauunternehmer Walter Vetter errichtet.

Das Unternehmen wurde 1946 enteignet und als verstaatlichter Bertrieb bis 1990 als Nudelfabrik fortgeführt. Nach der Privatisierung wurden noch bis 1992 Teigwaren hergestellt. Seit der Produktionseinstellung werden Teile der Fabrik als Lager und Werkstatt genutzt.